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Category: CEO Espresso Interviews

  • Macht

    Macht

    Menschen sprechen gern über Fairness. Gerade dann, wenn die Machtverhältnisse gegen sie laufen.

    Augustus sagt das nicht laut. Man sieht ihm an, dass er es denkt.

    Die Diskussion beginnt harmlos. Konfuzius betrachtet Respekt. Vertrauen. Legitimität.

    Dann lehnt sich Augustus zurück. „Ihr sprecht ständig darüber, wie Menschen behandelt werden wollen. Warum spricht niemand darüber, warum sie überhaupt zuhören?”

    Franklin stellt sein Glas ab. Das ist selten ein gutes Zeichen.

    „Weil Macht ohne Legitimität instabil ist,” gibt Konfuzius zu bedenken.

    Augustus nickt. „Richtig.” Kurze Pause, dann: „Und Legitimität ohne Macht?” Noch kürzere Pause. „Irrelevant.”

    Maimonides missbilligt den Satz. Machiavelli gefällt er ausgesprochen gut.

    Die Wahrheit ist unbequem: Die meisten Verhandlungen werden nicht durch das beste Argument entschieden. Sondern durch die bessere Alternative.

    Wer Zeit hat, verhandelt anders. Wer Optionen hat, verhandelt anders. Wer nicht abschließen muss, verhandelt anders.

    Deshalb beginnt professionelle Verhandlungsvorbereitung selten mit Argumenten. Sondern mit einer Frage: Wer braucht die Einigung mehr?

    „Die amerikanische Revolution wurde nicht gewonnen, weil die Kolonien recht hatten” wirft Machiavelli ein.

    Franklin hebt eine Augenbraue: „Sondern?”

    „Weil sie irgendwann mehr Optionen hatten als die Krone.”

    Franklin schweigt. Das ist bemerkenswert.

    In komplexen Verhandlungen wird Macht oft moralisch bewertet. Das ist verständlich. Hilft aber selten.

    Macht ist zunächst keine Tugend. Und kein Makel. Macht ist eine Variable. Wer sie ignoriert, versteht die Verhandlung nicht.

    Sokrates blickt in die Runde. „Interessante Diskussion. Aber woran erkennt eigentlich jeder von Euch seine eigene Macht?”

    Niemand antwortet sofort.

    👉 Augustus würde sagen: Die Stärke Ihrer Verhandlungsposition wird durch die Qualität Ihrer Alternativen bestimmt. Sokrates würde fragen: Und kennen Sie Ihre Alternativen wirklich?

  • CEO Espresso highlights from 2025: Negotiating

    CEO Espresso highlights from 2025: Negotiating

    What do a real estate broker in Hamburg, a researcher at Kühne Logistics University, and a founder in Singapore have in common?

    They all negotiate every day. Then again, most of us probably do. But what connects these three is that none of them thinks in terms of individual deals.

    🔹 Rohit Jha, CEO of Transcelestial, Singapore: “I put all the features and prices on the table and hand the other party a pen. Cross out what you don’t need.” If they want less, they have to say what they are willing to give up. An elegant reversal of conventional negotiation logic — and an effective way to build trust.

    🔹 Niels van Quaquebeke, Professor of Leadership at Kühne Logistics University in Hamburg: “I have learned that thinking beyond a single negotiation is more important than the short-term gain.”

    🔹 Ulf von der Heydt, Managing Director of BHI Hamburg: “Good negotiations have one thing in common: clarity and openness. When those are present, everything can move quickly and smoothly.”

    What connects the three is that none of them optimizes for the moment.

    Jha turns trust into a method by framing discussions around value. Van Quaquebeke describes it as the compound-interest effect of social capital — relationships that shorten the path to agreement the next time around. And von der Heydt adds a dimension that is often overlooked: sometimes the best outcome emerges when the intermediary consciously steps back and allows the parties to come together without him.

    Good negotiations do not end with an agreement. They lay the foundation for the next one.


    +++ Deutsche Version +++ German version +++

    Was haben ein Immobilienmakler in Hamburg, ein Wissenschaftler an der Kühne Logistics University und ein Gründer in Singapur gemeinsam?

    Sie alle verhandeln täglich. Nun ja, das tun wir vermutlich alle. Doch was diese drei verbindet: Keiner von ihnen denkt in Einzelabschlüssen.

    🔹 Rohit Jha, CEO von Transcelestial, Singapur: “Ich lege alle Features und Preise auf den Tisch und gebe dem Gegenüber einen Stift. Streiche, was du nicht brauchst.” Wer weniger will, muss sagen, worauf er verzichtet. Eine elegante Umkehrung der Verhandlungslogik — und ein wirksamer Weg, Vertrauen herzustellen.

    🔹 Niels van Quaquebeke, Professor für Leadership an der KLU Hamburg: “Ich habe gelernt, dass langfristiges Denken über die einzelne Verhandlung hinaus wichtiger ist als der kurzfristige Gewinn.”

    🔹 Ulf von der Heydt, Geschäftsführer von BHI Hamburg: “Gute Verhandlungen haben etwas gemeinsam: Klarheit und Offenheit. Dann kann alles schnell und unkompliziert ablaufen.”

    Was die drei verbindet: Keiner von ihnen optimiert für den Moment.

    Jha macht Vertrauen zur Methode, indem er wertbasiert argumentiert. Van Quaquebeke nennt es den Zinseszins-Effekt im Sozialkapital — Beziehungen, die beim nächsten Mal den Weg zum Abschluss abkürzen. Und von der Heydt fügt eine oft übersehene Dimension hinzu: Manchmal entsteht das beste Ergebnis, wenn man als Vermittler bewusst einen Schritt zurücktritt — und die Parteien ohne einen selbst zusammenkommen lässt.

    Gute Verhandlungen sind mit einem Abschluss nicht zu Ende. Sie legen den Grundstein für den nächsten.

  • Legenden der Verhandlung

    Legenden der Verhandlung

    Was wäre, wenn die klügsten Köpfe der Menschheitsgeschichte gemeinsam am Verhandlungstisch säßen? Und wenn sie sich streiten? Um so besser. Also stellen wir uns vor: Ein Konferenzraum irgendwo zwischen den Jahrhunderten.

    Acht Männer sitzen an einem Tisch. Verhandlungsprofis. Wer ist dabei? Und was charakterisiert einen jeden?

    Konfuzius (ca. 551–479 v. Chr., Staat Lu, heute Provinz Shandong, China) achtet auf Beziehungen.

    Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr., Rom, Italien) sieht Macht als zentralen Faktor.   Thomas Morus (1478-1535, London, England) betrachtet sich als Humanisten.

    Sun Tzu (vermutlich 544–496 v. Chr., Staat Qi, China) bereitet sich akribisch vor: Er hat den Raum bereits analysiert, bevor er ihn betreten hat.

    Benjamin Franklin (1706–1790, Boston, Massachusetts, USA) blickt auf Koalitionen. Jeden am Tisch kennt er – und arbeitet bereits daran, zwei von ihnen zu verbünden.

    Maimonides (1138–1204, Córdoba, Al-Andalus, heute Spanien) denkt in Integrität.

    Niccolò Machiavelli (1469–1527, Florenz, Italien) verfolgt zuallererst seine eigenen Interessen.

    Und Sokrates (ca. 470–399 v. Chr., Athen, Griechenland) glaubt, dass die meisten Menschen schlicht die falschen Fragen stellen.

    „Was ist eine gute Verhandlung?” fragt er in die Runde.

    Machiavelli antwortet sofort. „Eine, die man gewinnt.”

    Konfuzius schüttelt den Kopf. „Eine, nach der man weiter zusammenarbeiten kann.”

    Augustus lächelt. „Eine, nach der die Machtverhältnisse günstiger sind als zuvor.”

    Franklin greift zum Wein. Ein Abend wie dieser braucht Vorbereitung.

    Sun Tzu sagt nichts. Er beobachtet. Das allein macht ihn zur gefährlichsten Person im Raum.

    „Interessant”, sagt Sokrates. „Unterschiedliche Antworten. Keine Definition.”

    Machiavelli notiert sich etwas. Wahrscheinlich Schwächen. Vielleicht Namen. Niemand fragt nach.

    In komplexen Verhandlungen erleben wir immer wieder denselben Fehler: Die Beteiligten diskutieren über Preise, Verträge oder Fristen. Tatsächlich verfolgen sie völlig unterschiedliche Ziele.

    Für den einen zählt Geschwindigkeit. Für den anderen Kontrolle. Für den Dritten die Beziehung. Für den Vierten das Ergebnis.

    Wer die unterschiedlichen Erfolgsdefinitionen nicht erkennt, verhandelt über Symptome. Nicht über Interessen.

    „Vielleicht”, sagt Sokrates nach einer längeren Pause, „beginnen schlechte Verhandlungen dort, wo alle glauben, über dasselbe zu sprechen.”

    Zum ersten Mal wird es still. Sogar Machiavelli schaut auf.

    In den kommenden Wochen diskutieren diese sieben Männer über Macht, Vertrauen, Information, Druck, Koalitionen und Integrität. Einig werden sie sich selten. Und genau deshalb lohnt es sich zuzuhören.

    👉 Welche Figur hätten Sie lieber auf Ihrer Seite des Tisches?