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Timing

Legenden der verhandlung 08 timing

⌛ Der richtige Vorschlag zur falschen Zeit bleibt der falsche Vorschlag.

Sun Tzu hält das für selbstverständlich. Die anderen am Tisch offenbar nicht.

Seit einer kleinen Ewigkeit diskutieren sie über Strategien und Macht. Über Interessen und Beziehungen.

Sun Tzu hört zu. Dann stellt er eine Frage.

„Warum sprechen Menschen ständig über Entscheidungen?“ Kurze Pause. „Und so selten über Zeit?“

Im Raum wird es still. Augustus nickt. Zum wiederholten Mal an diesem Abend. Franklin beginnt mitzuzählen.

Viele Verhandler überschätzen Inhalte. Und unterschätzen Timing.

Die gleiche Idee kann scheitern. Oder erfolgreich sein. Je nachdem, wann sie eingebracht wird.

Vor einer Krise. Während einer Krise. Nach einer Krise. Drei Zeitpunkte. Drei völlig unterschiedliche Verhandlungen.

„Der richtige Moment erzeugt Möglichkeiten“, sagt Sun Tzu, „die besten Argumente allein können das nicht.“

Konfuzius ergänzt: „Geduld wird oft mit Untätigkeit verwechselt. Dabei ist sie meistens Vorbereitung.“

Zum ersten Mal stimmen die beiden nahezu vollständig überein. Franklin bestellt vorsichtshalber Wein. Solche Ereignisse sollte man dokumentieren.

In komplexen Verhandlungen erscheint gutes Timing häufig wie Glück. Tatsächlich ist es meist das Ergebnis genauer Beobachtung.

Wann steigt Entscheidungsdruck? Wann verändern sich Interessen? Wann verschieben sich Machtverhältnisse? Wann entstehen neue Optionen?

Wer diese Veränderungen erkennt, verhandelt anders. Und oft erfolgreicher.

Sun Tzu schaut in die Runde. „Die meisten Menschen glauben, sie hätten ein Timing-Problem. Tatsächlich haben sie meist ein Beobachtungsproblem.“

Sogar Machiavelli schreibt sich diesen Satz auf.

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