đ€Vertrauen wird in Verhandlungen regelmĂ€Ăig ĂŒberschĂ€tzt. Und regelmĂ€Ăig unterschĂ€tzt. Beides oft von denselben Menschen.
Benjamin Franklin schaut in die Runde. âVertrauen ist eine merkwĂŒrdige Sache. Niemand möchte der erste sein, der es schenkt – aber jeder erwartet es vom anderen.“
Machiavelli nickt. âWeil Vertrauen teuer werden kann.“
âMisstrauen auch“, antwortet Franklin.
In diesem Moment entsteht nicht sofort Widerspruch. Das macht die Diskussion gefÀhrlich.
Viele Verhandler behandeln Vertrauen wie eine moralische Kategorie. Als Frage des Charakters.
Vertrauen hat einen wirtschaftlichen Effekt. Es beschleunigt Entscheidungen. Reduziert Kontrollen. Vereinfacht Abstimmungen. Erhöht HandlungsspielrÀume. Misstrauen bewirkt das Gegenteil.
âGeschĂ€fte werden zwischen Menschen gemacht“, sagt Franklin.
âGeschĂ€fte werden zwischen Interessen gemacht“, antwortet Machiavelli.
Franklin lĂ€chelt: âDann erklĂ€r mir, warum manche Menschen ĂŒber Jahrzehnte miteinander GeschĂ€fte machen!“
Machiavelli schweigt kurz. LĂ€nger als gewöhnlich. âWeil ihre Interessen ĂŒber Jahrzehnte kompatibel bleiben.“
Sokrates grinst: âWar das ĂŒberraschend nah an einer Zustimmung?“
Thomas Morus, der bisher ruhig zugehört hat, meldet sich zu Wort: âIch kenne Menschen, die seit Jahrzehnten miteinander arbeiten â nicht weil ihre Interessen deckungsgleich sind, sondern weil sie einander nie enttĂ€uscht haben. Das ist kein KalkĂŒl. Das ist Charakter.“
Machiavelli betrachtet ihn eindringlich. âCharakter“, sagt er dann, âist der teuerste Weg zum selben Ergebnis.“ âUnd der haltbarste“, antwortet Morus ruhig.
Maimonides meldet sich zu Wort. Die anderen macht das zunehmend nervös: âVertrauen entsteht nicht durch Absichten“, sagt er. âSondern durch Vorhersagbarkeit.“
Der Satz bleibt im Raum hÀngen.
In komplexen Verhandlungen lautet die entscheidende Frage selten: Vertrauen wir einander? Sondern: Worauf genau können wir uns verlassen?
Der Unterschied wirkt klein. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Die besten Verhandler ersetzen Vertrauen nicht durch VertrÀge. Und VertrÀge nicht durch Vertrauen. Sie verstehen die Funktion beider.
đ Was ist Vertrauen fĂŒr Sie: die Basis, ohne die man nicht anfangen kann? Oder das Ergebnis von gelebter Konsistenz?




