(Episode 3 der Serie)
đ Der gefĂ€hrlichste Satz in jeder Verhandlung: âWir wissen genau, was die Gegenseite will.“
Sokrates hĂ€lt das fĂŒr SelbstĂŒberschĂ€tzung. Machiavelli fĂŒr eine Einladung zum Scheitern.
âWas will Euer GegenĂŒber?“ fragt Sokrates.
âEinen niedrigeren Preis,“ antwortet jemand.
âWarum?“
Stille.
âGenau,“ sagt Sokrates.
Machiavelli lÀchelt. Es ist die Art von LÀcheln, die andere Menschen nervös macht.
âMenschen verhandeln fast nie ĂŒber das eigentliche Thema,“ sagt er. âSie verhandeln ĂŒber dessen Symptome.“
Konfuzius widerspricht: âDas klingt unnötig misstrauisch.“
âNein,“ antwortet Machiavelli. âNur teuer gelernt.“
Die meisten Verhandlungen beginnen bei Positionen: Preis. Liefertermin. Budget. Vertragslaufzeit.
Doch Positionen sind selten die Geschichte. Sie sind meist nur die Ăberschrift.
Hinter einer Forderung steckt ein Interesse. Hinter dem Interesse ein Motiv. Und hinter dem Motiv hÀufig eine Sorge.
Der Liefertermin kann Angst vor einem Projektverzug sein. Der Preis Druck durch Investoren. Die Vertragslaufzeit Unsicherheit.
Wer Positionen verhandelt, handelt Kompromisse aus. Wer Interessen versteht, verÀndert Möglichkeiten.
Franklin nickt: âDiplomatie funktioniert genauso.“
âPhilosophie ĂŒbrigens auch,“ ergĂ€nzt Sokrates.
âUnd erfolgreiche Verhandlungen erst recht,“ sagt Machiavelli.
Eine der teuersten FehleinschÀtzungen in komplexen Verhandlungen lautet: Wir glauben zu wissen, was die andere Seite will. TatsÀchlich wissen wir meist nur, was sie fordert. Das ist nicht dasselbe.
Sokrates schaut in die Runde. âWenn Ihr die Interessen Eures GegenĂŒbers nicht kennt ⊠worĂŒber genau verhandelt Ihr dann?“
đ Wann haben Sie zuletzt entdeckt, dass hinter einer Forderung ein ganz anderes Interesse lag?




